Prüfung der Wirksamkeit von Automarder-Abwehrmitteln

Im Handel sind zahlreiche Mittel zur Verhinderung von Automarderschäden erhältlich. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um

  • Ultraschall-Geräte
  • Duftstoffe
  • Bitterstoffe
  • auf Hochspannungsbasis basierende Abwehrgeräte (Weidezaungeräte)
  • mechanische Schutzvorrichtungen

Im Auftrag von Herstellern und Vertriebsfirmen wurde die Wirkung einiger solcher Produkte getestet. Die Ergebnisse der Tests zeigten, dass sich Steinmarder gegenüber Geruchs- und Bitterstoffen oder Ultraschalltönen als ausgesprochen unempfindlich erweisen. Wirksame Abwehrmittel können jedoch durch mechanischen Schutzvorrichtungen und Hochspannungsabwehrgeräte (Weidezaun-Prinzip) verwirklicht werden.

Die Haltungsbedingungen

In der Gehegeanlage des Arbeitskreises Wildbiologie wurden zwischen zehn und fünfzehn Steinmarder gehalten. Die Tiere lebten einzeln, paarweise und vorübergehend auch in Familiengruppen in 30 oder 50 qm großen, reichhaltig strukturierten Gehegen mit zahlreichen Rückzugsmöglichkeiten.

Test von Bitterstoffen oder mechanischen Kabelschutzvorrichtungen

Über einen Zeitraum von zwei Wochen wurde jeweils ein mit dem zu testenden Mittel imprägniertes bzw. mechanisch geschütztes Kabelstück und ein unbehandeltes Kontrollkabel, die nebeneinander auf einem Exponatträger fixiert wurden, in den Gehegen angeboten. Der Versuch erfolgte parallel bei mindestens fünf Individuen oder Gruppen und wurde einmal wiederholt. Die Verbissschäden an den Kabeln wurden täglich protokolliert.

Test von mechanischen Schutzvorrichtungen an Dämmatten

Die Dämmatten wurden auf Holzplatten geschraubt und auf den Boden eines Geheges gelegt. Art und Ausmaß der Schäden wurden täglich protokolliert. Waren die Matten zerstört, wurden sie aus dem Gehege entfernt. Blieb eine Matte unversehrt, wurde sie in Zusatzversuchen noch bei anderen Individuen oder Gruppen exponiert.

Test von Geruchstoffen oder akustischen Abwehrgeräten

Duftstoffe oder akustische Abwehrgeräte wurden in zweikammrigen Holzboxen getestet, die den Tieren schon längere Zeit bekannt waren und die täglich mit einer sehr geringen Menge attraktivem Futter beködert wurden. Die Nutzungsintensität der Boxen durch die Tiere wurde in einer mehrwöchigen Vorlaufzeit gemessen und mit den Werten nach Ausbringen des Duftstoffes bzw. Einschalten des Geräts verglichen. Das Aufsuchen der Box wurde mit Bewegungsmeldern überwacht, deren Daten sekundengenau auf einem PC registriert wurden. Der Versuchsansatz erfolgte parallel bei mehreren Gruppen und wurde je nach Ergebnis einmal wiederholt.
Alternativ oder ergänzend wurde die Reaktion der Steinmarder auf das Abwehrmittel per Video-Aufzeichnung festgehalten.

Test von Hochspannungs-Abwehrgeräten

Bei dieser Abwehrtechnik wurden die Zugangsbereiche in den Motorraum mittels Elektroden, die unter Hochspannung gesetzt wurden, unpassierbar gemacht. Zur Prüfung der Anlage wurdd ein entsprechend ausgestattetes Fahrzeug in ein Gehege gefahren. Zunächst blieb das Abwehrgerät über einen Zeitraum von 25 Tagen abgeschaltet, damit sich die Tiere an die Nutzung des Fahrzeuges gewöhnen konnten. Dann wurde die Abwehranlage 25 Tage lang eingeschaltet. Der Versuch wurde einmal wiederholt.
Die Nutzung des Fahrzeuges wurde täglich anhand der Spuren im Motorraum kontrolliert. Dies wurde vereinfacht durch ein Einpudern bestimmter Bereiche und das Auslegen von Ködern. Um die Reaktion der Tiere auf die Abwehranlage beobachten zu können, wurde der Bereich vor und unter dem Fahrzeug während der Aktivitätszeiten der Marder auf Videokassetten zeitgerafft aufgezeichnet. Die Ausleuchtung erfolgte mit Infrarotscheinwerfern. Für den Fall, daß die Marder es schafften, die Elektroden der Abwehranlage zu umgehen, konnte anhand der Video-Aufzeichnung die "undichte Stelle" ermittelt werden.