Mink, Amerikanischer Nerz (Mustela vison Schreber, 1777)

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiets des Minks ist Nordamerika. Seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde er nach Europa eingeführt und dort in großer Zahl in Pelztierfarmen gehalten. Durch entlaufene oder von Tierschützern befreite Tiere entstanden seitdem zahlreiche Populationen in verschiedenen europäischen Ländern.

Körperbau und Verbreitung

Mink, Amerikanischer Nerz

Minks erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 34-45 cm (m) bzw. 31-38 cm (w) und ein Körpergewicht von 600-1500 g (m) bzw. 400-800 g (w). In Anpassung an ihre semiaquatische Lebensweise haben Minks kurze Ohren und Schwimmhäute zwischen den Zehen. Die Fellfarbe ist dunkelbraun, an Unterlippe, Kehle oder Brust sind häufig weiße Flecken. Bei den zur Pelzgewinnung gezüchteten Farmnerzen sind eine große Zahl von Farbmutationen bekannt, über weiß, verschiedenen Grau- und Braunstufen bis schwarz.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Minks erstreckt sich über ganz Nordamerika zwischen Alaska und Florida. Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurden Minks zur Pelzproduktion nach Europa exportiert. Durch gezieltes Auswildern oder durch entflohene Individuen aus den Pelztierfarmen hat der Mink inzwischen weite Teile Europas mit Schwerpunkten in Skandinavien und Osteuropa als Lebensraum erobert.

To top

Zeit- und Raumnutzung

Der Mink ist auf Grund seiner semiaquatischen Lebensweise nur in Gewässernähe zu finden. Er lebt an schilfreichen Seen, an Flüssen, Wald- und Wiesenbächen und auch an manchen Küsten.
In Schweden telemetrierte Minks waren hauptsächlich nachtaktiv. Nur bei Fähen konnten während der Jungenaufzucht regelmäßige Aktivitäten am Tage beobachtet werden. Die Schlafplätze befinden sich häufig unter Wurzelstöcken. Gern werden auch die Baue von Bisamratten genutzt oder Kaninchenbaue.
Die Größe der Streifgebiete des Minks wird in der Literatur üblicherweise als Längen von Uferabschnitten angegeben. Birks und Linn* ermittelten in England für Rüden eine mittlere Länge von 2,5 km, für Fähe 2,2 km. Diese Werte stimmen gut mit den Ergebnissen von Gerell** aus Schweden überein (Rüden: 2,6 km, Fähen: 1,9 km). Die Reviere der Rüden sind durchschnittlich größer als die der Fähen, sie können sich überlappen. Im Winter beschränken Minks vermutlich ihren Aktionsradius auf einen kleineren Bereich ihres Streifgebietes.


* Birks, J.D.S.; Linn, I.J. (1982): Studies of home range of the feral mink (Mustela vison). Symp. Zoo. Soc. Lond. 49: 231-257.

** Gerell, R. 1970. Home ranges and movements of the mink Mustela vison. Schreber in southern Sweden. - Oikos 21: 160

To top

Nahrung

Die Nahrung des Minks kann je nach Lebensraum und Jahreszeit erheblich variieren, es werden jeweils die am leichtesten zu erreichenden Beutetiere gefressen. Nach Untersuchungen in Irland sind unter den wasserlebenden Beutetieren neben Fischen wie Aalen oder Barsche auch Flußkrebse wichtiger Nahrungsbestandteil. An Land wurden unter den Säugetieren vor allem Ratten und Kaninchen verzehrt. Vögel können auch einen erheblichen Anteil der Beutetiere ausmachen. Außerdem wurden auch verschiedene Mäuse- und Spitzmaus-Arten sowie Amphibien (Rana-Arten) als Nahrungsbestandteile nachgewiesen.

To top

Fortpflanzung

Paarung
Paarung

In Nordamerika erstreckt sich die Ranzzeit von Ende Februar bis Mitte April. Die Trächtigkeitsdauer variiert zwischen 40 und 75 Tagen, im Schnitt beträgt sie 51 Tage. Die großen Schwankungen kommen durch eine verzögerte Implantation zustande. Es können zwischen einem und zehn Jungtiere geboren werden, größere Würfe von bis zu 15 sind Ausnahmen. Die durchschnittliche Wurfgröße liegt bei vier bis fünf.

Das Gewicht von neugeborenen Farmnerzen beträgt zwischen 4 und 14 g, bei einem Durchschnitt von 8,7 g. Mit vier Wochen beginnen die Jungen feste Nahrung aufzunehmen. Das Öffnen der Augen erfolgt zwischen dem 33. und 37. Tag, in der sechsten Wochen wird erstmals das Nest verlassen. In freier Wildbahn bleiben die Jungen bis zum Juli bei ihrer Mutter. Der Zeitpunkt der Abwanderung ist jedoch variabel und scheint mit der Größe der Jungtiere zusammenzuhängen.

To top

Buchtipps

Dunstone, N. (1993): The mink. Poyser Natural History, London.

Stubbe, M. (1993): Mustela vison Schreber, 1777 - Mink, Amerikanischer Nerz. In: Stubbe, M. & Krapp, F.: Handbuch der Säugetiere Europas. Aula-Verlag, Wiesbaden: 654-698.