Baummarder (Martes martes Linné, 1758)

Äußerlich ähnelt der Baummarder sehr stark dem Steinmarder, im Verhalten und in der Lebensweise zeigen sich jedoch große Unterschiede. So kommt der Steinmarder vom Siedlungsraum über Feldlandschaften bis in Waldgebiete vor, der Baummarder ist ein reiner Waldbewohner. Steinmarder-Populationen erreichen hohe Dichten, Baummarder sind selten geworden.

Körperbau und Verbreitung

Baummarder im Winterfell
Baummarder im Winterfell

Baummarder erreichen durchschnittlich eine Kopf-Rumpflänge von 46 cm bzw. 43 cm und ein Körpergewicht von etwa 1500 g bzw. 1100 g. Die Fellfarbe ist mittel- bis dunkelbraun. Typische Merkmale sind der gelbliche Kehlfleck, die relativ großen, gelb umrandeten Ohren und der dunkelbraune Nasenspiegel.

Das Verbreitungsgebiet des Baummarders erstreckt sich über fast ganz Europa (außer der südlichen Iberischen Halbinsel) bis nach Asien über den Ural hinaus sowie nach Kleinasien.

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Zeit- und Raumnutzung

Baummarder in Fichtenschonung

Der Baummarder ist an den Lebensraum Wald gebunden. Offene Flächen meidet er. Er ist zwar in der Lage die verschiedensten Waldformationen zu besiedeln, stellt aber doch gewisse Ansprüche an deren Beschaffenheit. Er braucht einen deckungsreichen Lebensraum, der genügend sichere Unterschlüpfe und ein ausreichendes Nahrungsangebot bietet.

Baummarder sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, sind aber auch regelmäßig am Tage anzutreffen. Als Schlafplätze nutzen sie Vogelnester (z.B. Rabenkrähe, Habicht), Eichhörnchenkobel, Spechthöhlen, Höhlen in Baumwurzeln oder Baumstümpfen und Asthaufen, bei gutem Wetter schlafen sie auch auf dicken Ästen. In Schweden konnten im Winter zu 70 % Verstecke unter der Schneedecke festgestell werden.

Pro Nacht legen Baummarder im Schnitt Strecken von 5 bis 7 km zurück. Dabei bewegen sie sich vorwiegend am Boden fort. Bäume suchen sie vorwiegend zur Nahrungssuche auf oder um sich vor Gefahr in Sicherheit zu bringen.

Die Größe der Streifgebiete lag zum Beispiel in der Schweiz zwischen 150 und 2 400 ha, bei einem Durchschnitt von 660 ha, und in Finnland zwischen 300 und 8 200, bei einem Durchschnitt von 2 200 ha. Die Streifgebiete der Rüden sind größer als die der Fähen, Rüdengebiete können sich mit mehreren Fähengebieten überlappen. Die Streifgebiete der Fähen sind stabil, sie nutzen ihren Bereich gleichmäßiger. Rüden suchen dagegen einige Teilbereiche ihres Gebietes häufiger auf. Sie unternehmen größere Ausflüge und gelegentliche Gebietswechsel. Streifgebiete benachbarter Rüden können sich teilweise überlappen. Beim Durchqueren bekannter Bereiche laufen Baummarder entlang früherer Wechsel oder sie bewegen sich auf einem neuen Weg fort, der sich nahe bei dem alten Wechsel befindet. So können sie sich einerseits anhand ihrer Duftmarken orientieren und andererseits auf der unbekannten Wegstrecke neue Nahrungsquellen erschließen. Ein Verteidigen der Streifgebiete oder ein Absetzen von Duftmarken zur Vertreibung von Artgenossen konnte bislang nicht beobachtet werden.

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Nahrung

Baummarder mit Vogelbeeren

Der Baummarder hat ein sehr breites Nahrungsspektrum, das sich je nach Jahreszeit und Habitatbeschaffenheit richtet. Magenanalysen und Kotuntersuchungen von Marchesi* in der Schweiz ergaben, dass sich ein Großteil der Nahrung aus Kleinsäugern wie Rötelmaus, Wald- und Gelbhalsmaus zusammensetzt. Daneben werden auch kleine Wühlmäuse, Schermäuse, Spitzmäuse, Maulwürfe sowie hin und wieder Eichhörnchen erbeutet.

Unter den Vögeln stellen die verschiedenen Drosselarten den Hauptteil, während der Brutzeit werden darüberhinaus Eier und Nestlinge verzehrt. Auch Insekten werden regelmäßig aufgenommen, in der Hauptsache Laufkäfer. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, nimmt der Baummarder auch Aas zu sich.

Neben der fleischlichen Kost haben Früchte eine große Bedeutung wie etwa Vogelbeeren, Früchte der Hunds-, Feld- und Heckenrosen, Himbeeren und Brombeeren. Bis auf den Frühling sind Früchte das ganze Jahr über verfügbar.


*Marchesi, P. (1989): Écologie et comportement de la martre (Martes martes L.) dans la Jura suisse. Dissertation, Neuchatel.

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Fortpflanzung

Spielende Baummarder-Jungtiere
Spielende Jungtiere

Die Ranzzeit der Baummarder liegt im Juni und Juli. Die Paarungsbereitschaft der Fähe hält gewöhnlich ein bis zwei Tage an. Während dieser Zeit kommt es wiederholt zu Deckakten, die bis zu zwei Stunden andauern können. Mit Zwischenintervallen von durchschnittlich sechs bis zehn Tagen kann die Paarungsbereitschaft bis zu vier Mal erneut aufleben. Während der Kopulation gibt der Rüde Muckerlaute ab, die Fähe schreit häufig laut. Der Rüde verbeißt sich im Nackenfell der Fähe.

Die Jungtiere werden gegen Ende März und im April geboren. Die durchschnittliche Tragzeit von neun Monaten kommt dadurch zustande, dass die Eier im Blastozystenstadium eine Keimruhe einlegen. Die Wurfgröße besteht aus zwei bis fünf, meistens drei Jungen. Das Geburtsgewicht beträgt etwa 30 g. Die Neugeborenen sind mit einem dünnen Haarflaum bedeckt. Sie sind zahnlos, Augen und Gehörgänge sind geschlossen. Die jungen Marder entwickeln sich vergleichsweise langsam: Erst mit fünf Wochen öffnen sie die Augen, ab der neunten Lebenswoche verlassen sie das Nest und unternehmen erste kurze Ausflüge. Die Jungmarder verbringen den Sommer im Streifgebiet ihrer Mutter. Wann die Dispersion einsetzt, ist bisher noch nicht bekannt. Vermutlich erfolgt sie im Spätsommer und Herbst. Baummarder paaren sich frühstens im Alter von einem Jahr, Fähen können also mit zwei Jahren erstmals Junge bekommen.

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Buchtipps

Schmidt, F. (1943): Naturgeschichte des Baum- und des Steinmarders. Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig.

Stubbe, M. (1993): Martes martes (Linné, 1758) - Baum-, Edelmarder. In: Stubbe, M.; Krapp, F.: Handbuch der Säugetiere Europas. Raubsäuger (Teil I). Aula-Verlag, Wiesbaden: S. 374-426.