Europäischer Dachs (Meles meles)

Der Dachs ist unter den heimischen Marderartigen die einzige gesellig lebende Art. Er bewohnt Baue, die manchmal schon seit Jahrhunderten bestehen.

Körperbau und Verbreitung

Dachse erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 70-90 cm (m) bzw. 65-85 cm (w) und ein Körpergewicht von 7,5-17 kg (m) bzw. 6-14 kg (w).

Sie können sehr gut hören und riechen, aber nur schlecht sehen. Ihr Körper wirkt plump, der Kopf erscheint rüsselartig verlängert. Die kräftigen, leicht gebogenen Krallen an den Vorderpfoten sind beim Graben und der Nahrungssuche von Nutzen.

Der Dachs ist in fast ganz Europa und Asien verbreitet.

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Zeit- und Raumnutzung

Dachse sind dämmerungs- und nachtaktiv. Den Tage verschlafen sie in selbstgegrabenen Bauen, im Sommer auch in anderen Verstecken. Die manchmal schon seit Jahrhunderten bewohnten Baue bestehen aus zahlreichen Gängen, auch Röhren genannt, und mehreren geräumigen Kammern, so genannten Kesseln, die als Aufenthaltsbereiche, zum Schlafen oder zur Aufzucht der Jungtiere dienen. Die Kessel haben meist mehrere Zugänge. Hauptbaue können über 20 Eingänge haben, kleinere Nebenbaue haben nur wenige.

Die Umgebung eines Dachsbaus ist oft hügelig, eine Folge des Erdaushubs. Die Baue werden ständig erweitert, insbesondere im Herbst wird viel gegraben, die Kessel ausgepolstert und altes Nistmaterial entfernt.

Die Baue liegen meist in Wäldern, an Waldrändern, Hecken oder Feldgehölzen, seltener im offenen Gelände. Optimale Lagen sind leicht geneigte, in Süd-West-Richtung ausgerichtete Hänge am Rande eines Laub-Mischwaldes, mit Feldern, Wiesen und Obstbäumen in der Nähe.

Doch Dachse sind anpassungsfähig und haben es mancherorst sogar geschafft, Städte zu besiedeln, zum Beispiel in Bristol, London oder Kopenhagen Die Baue legen sie dort zum Beispiel in Parks, Gärten oder auf Friedhöfen, Fabrikgeländen und Schutthalden an.

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Nahrung

Regenwürmer sind das Grundnahrungsmittel vieler Dachse. Darüber hinaus fressen sie auch Fallobst, Beeren, Getreide, Eicheln, Bucheckern, Pilze, Schnecken, Honig, Insekten und deren Larven, Amphibien, Reptilien, Kleinsäuger oder Aas.
Bei der Nahrungssuche streifen die Dachse umher und stöbern mit der Nase nach Beute. Im Sommer und Herbst machen Früchte einen großen Teil der Nahrung aus, wenn vorhanden auch Feldfrüchte wie Mais oder Hafer. In Städten fressen Dachse sich auch häusliche Abfälle, Katzen-, Hunde- oder Vogelfutter.

Im Herbst fressen Dachse sich eine dicke Speckschicht an. Von November bis Januar sind sie am schwersten, von April bis Juni am leichtesten. Ist im Winter die Nahrung knapp, können sie tage- oder wochenlang in ihrem Bau verschlafen.

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Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich vom Frühjahr bis in den späten Herbst, die meisten Weibchen paaren sich jedoch bereits kurz nach der Geburt ihres Wurfes erneut. Nach einer verlängerten, bis zu einem Jahr dauernden Tragzeit kommen zwischen Januar und April die meist zwe bis drei Jungtiere zur Welt. Mit vier bis fünf Wochen öffnen die Welpen die Augen, nach acht Wochen verlassen sie erstmals den Bau und ab der zehnten Woche fressen sie feste Nahrung.

Dachse werden im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif. Manche Jungtiere verlassen ihre Familie, manche bleiben.

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Buchtipps

Clark, M. (1988): Badgers. Whitted Books Ltd, London.

Lüps, P. und Wandeler, A.I. (1993): Meles meles Linnaeus, 1758 - Dachs. In: Stubbe, M. & Krapp, F.: Handbuch der Säugetiere Europas. Aula-Verlag, Wiesbaden: 856-906.

Neal, E.G. (1986): The Natural History of Badgers. Croom Helm, London.