Europäischer Nerz (Mustela lutreola Linné, 1761)

Da der Europäische Nerz in Deutschland schon seit langem ausgestorben ist, kennt ihn kaum jemand. Mit dem Nerzmantel hat er nichts zu tun, der stammt von seinem amerikanischen Vetter, dem Mink.

Körperbau und Verbreitung

Europäischer Nerz

Europäische Nerze erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 31-41 cm (m) bzw.25-35 cm (w) und ein Körpergewicht von 700-1100 g (m) bzw. 500-800 g (w).

Am Körperbau kann man erkennen, dass der Nerz sich häufig im Wasser aufhält: das dichte Fell, Häute zwischen den Zehen und kleine Ohren.

In früheren Zeiten erstreckte sich das Verbreitungsgebiet des Europäischen Nerzes vermutlich über fast ganz Mittel- und Nordeuropa bis zum Ural. Heute gibt es nur noch kleine Restbestände in Westfrankreich, Nordspanien und einigen osteuropäischen Regionen z.B. im rumänischen Donaudelta und in Weißrussland.

Mögliche Ursachen des Rückgangs sind die großflächigen Trockenlegungen von Feuchtgebieten. Außerdem war der Nerz früher - wie alle Raubtiere –  starker menschlicher Verfolgung ausgesetzt.

Der letzte Nachweis in Deutschland stammt aus dem Jahr 1925 (Allertal, Niedersachsen). Seit einigen Jahren wird versucht, den Nerz wieder anzusiedeln.

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Zeit- und Raumnutzung

Seen oder Fließgewässer mit dichtbewachsenen Ufern, Sümpfe oder Bruchwälder sind typische Lebensräume des Europäischen Nerzes. Ebenso wie der Iltis hält er sich vorwiegend am Boden auf und ist ein schlechter Kletterer.

Bei vier in Spanien beobachteten Nerzen erstreckten sich die Streifgebiete über maximal acht Uferkilometer. Die Männchen nutzen größere Gebiete als die Weibchen.

Der Nerz ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, manchmal aber auch am Tag unterwegs. Seinen Schlafplatz sucht er sich in Ufernähe, unter Baumwurzeln und -stümpfen, Holzstößen, Geröllhaufen, in Bauen der Bisamratte oder Biberdämmen oder -bauen.

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Nahrung

Der Europäische Nerz ernährt sich von kleinen Säugetieren, wie zum Beispiel Schermäusen oder Bisamratten, kleineren Fische, Amphibien, Vögeln, Insekten, Krebsen und Aas. Überschüssige Nahrung wird als Vorrat gehortet.

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Fortpflanzung

Die Paarungszeit des Nerzes erstreckt sich von Ende März bis Anfang Mai, die Tragzeit dauert  40-43 Tage. Mitte Mai bis Anfang Juni werden durchschnittlich drei bis sechs Jungtiere geboren. Geht der erste Wurf verloren, kann das Weibchen ein zweites Mal Junge bekommen. Die Neugeborenen wiegen 8-10 g, sind blind und spärlich behaart. In der dritten Lebenswoche erscheinen die ersten Zähne, in der vierten wird die erste feste Nahrung verzehrt. In der fünften Woche öffnen sich die Augen. Mit drei bis vier Monaten verlassen die Jungtiere den Familienverband, mit neun bis zehn Monaten werden sie geschlechtsreif.

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Buchtipp

Stubbe, M. (1993): Mustela lutreola Linné, 1761 - Europäischer Nerz. In: Stubbe, M. & Krapp, F.: Handbuch der Säugetiere Europas. Aula-Verlag, Wiesbaden: 627-653.