Europäischer Iltis, Waldiltis (Mustela putorius Linné, 1758)

Der Europäische Iltis, auch Ratz oder Stänker genannt, war früher weiter verbreitet, auch im Siedlungsraum. Er zählte zu den populären Arten, was sich in mancherlei Redensarten niederschlug, zum Beispiel "stinken wie ein Iltis".

Körperbau und Verbreitung

Iltis-Fähe

Iltisse erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 40 cm (m.) bzw. 35 cm (w) und ein Körpergewicht von 1130 g (m) bzw. 660 g (w). Sie haben eine gedrungene Gestalt mit kurzen Extremitäten und Schwanz. Die Fellfarbe ist dunkelbraun bis schwarz, an den Körperseiten schimmert die gelblich-weiße Unterwolle durch. Charakteristisch ist die weiße Gesichtsmaske.
Das Verbreitungsgebiet des Iltis beschränkt sich auf den europäischen Raum. Er fehlt im nördlichen Skandinavien, im Balkan, in Irland und Sizilien. Neben Hermelin und Mauswiesel wurden auch Iltisfrettchen in Neuseeland eingeführt.

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Zeit- und Raumnutzung

Junger Iltis im Stroh

Der Iltis besiedelt Waldrandbereiche sowie Feld- und Wiesenlandschaften mit Feldgehölzen und Hecken. Bevorzugt hält er sich an bewachsenen Bach- und Flußufern oder grabenreichen Wiesenlandschaften auf. Geschlossene Wälder werden kaum besiedelt. Als Kulturfolger kommt er auch in der Nähe menschlicher Siedlungen, z.B. in Scheunen, vor.
Iltisse sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, im Sommer und Herbst können sie auch am Tage angetroffen werden. Als Tagesverstecke nutzen sie die unterschiedlichsten Strukturen, wie selbstgegrabene oder erweiterte, unterirdische Unterschlüpfe sowie Baue von Bisam, Fuchs oder Dachs und Dränagerohre. Oberirdische Verstecke sind z.B. Asthaufen, Holzstöße, Baumhöhlen oder Pflanzendickicht. Iltisse sind aber auch in Schuppen, Scheunen oder Wochenendhäusern anzutreffen.
Die Größen der Streifgebiete sind sehr variabel. Nach Weber (1987) haben Iltisse in der Schweiz Aktionsräume zwischen 8 und 1 100 ha. Die kleinsten Streifgebiete hatten zwei Fähen inne, von denen eine gerade Jungtiere aufzog. Die andere lebte an einer Mülldeponie, an der ein großes Nahrungsangebot herrschte. Der größte Aktionsradius war bei Rüden während der Paarungszeit zu finden. Iltisse nutzen ihre Streifgebiete hochselektiv. Sie halten sich fast ausschließlich in deckungsreichen Abschnitten auf. Innerhalb einer einzelnen Aktivitätsphase wurden im Mittel 744 m zurückgelegt. Dabei bewegen sie sich überwiegend stöbernd, mit der Nase am Boden fort. Dies dient höchstwahrscheinlich der Nahrungssuche. Häufig halten sich Iltisse für mehrere Tage bis Wochen ausschließlich in einem Abschnitt ihres Streifgebietes auf und ziehen dann weiter. Nach Wochen oder Monaten der Abwesenheit werden diese Gebiete erneut aufgesucht. Bei Iltissen tritt demnach, ebenso wie bei Hermelin und Mauswiesel, eine zeitlich gestaffelte Nutzung von Teilflächen des Streifgebietes auf. Ein Verteidigen des Streifgebietes konnte nicht beobachtet werden.

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Nahrung

Weber* konnte bei seinen Untersuchungen in der Schweiz feststellen, dass die Hauptnahrung des Iltisses aus Amphibien besteht, insbesondere Bufo bufo und Rana-Arten. Daneben werden auch häufig Kleinsäuger erbeutet, vorwiegend Microtus-, Apodemus- und Rattus-Arten, gelegentlich auch Spitzmäuse. Vögel und Eier sind nur von untergeordneter Bedeutung. Aas, Schlachtabfälle oder Tierfutter werden regelmäßig verzehrt. In einigen Fällen konnte auch pflanzliche Nahrung in Form von Früchten festgestellt werden.


*Weber, D. (1987): Zur Biologie des Iltisses (Mustela putorius L.) und den Ursachen seines Rückganges in der Schweiz. Dissertation, Bern.

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Fortpflanzung

Iltis Jungtiere
Iltis-Jungtiere

Die Ranzzeit der Iltisse liegt zwischen März und Juni. Die Tragzeit dauert 40-42 Tage. Die meisten Würfe kommen im Mai und Juni zur Welt. Geht der erste Wurf verloren, können die Fähen ein zweites Mal im August Junge bekommen. Die durchschnittliche Wurfgröße liegt bei vier bis acht Jungtieren. Das Geburtsgewicht liegt bei 9-10 g. Nach drei Wochen nehmen die Jungen die erste feste Nahrung auf. Die Augen öffnen sich im Alter von vier bis fünf Wochen. Beide Geschlechter sind mit knapp einem Jahr geschlechtsreif.

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Buchtipp

Wolsan, M. (1993): Mustela putorius Linnaeus, 1758 – Waldiltis, Europäischer Iltis, Iltis. In: Stubbe, M. & Krapp, F.: Handbuch der Säugetiere Europas. Aula-Verlag, Wiesbaden: 699-769.