Mauswiesel (Mustela nivalis Linné, 1758)

Das Mauswiesel ist das kleinste Raubtier der Welt. Es ist so klein, dass es seiner Hauptbeute, den kleinen Wühlmausarten in ihre Gänge hinein folgen kann.

Körperbau und Verbreitung

Mauswiesel

Mauswiesel erreichen (in Deutschland) eine Kopf-Rumpf-Länge von 15-25 cm (m) bzw. 14-16 cm (w) und ein Körpergewicht von 30-105 g (m) bzw. 30-45 g (w). Sie haben einen sehr langgestreckten Körper mit kurzen Extremitäten und kurzem Schwanz. Die Körperoberseite ist braun, die Bauchseite weiß. In den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebietes (z.B. Skandinavien) und in Hochgebirgsregionen tragen Mauswiesel ein weißes Winterkleid.

Das Mauswiesel ist außer in Irland in ganz Europa, Nordafrika und Kleinasien sowie Mittel- und Nordasien anzutreffen. In Nordamerika erstreckt sich seine Verbreitung von Alaska über Kanada bis hin zu den nordöstlichen Staaten der USA. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde es ebenfalls in Neuseeland eingeführt. Mauswiesel unterliegen in ihrem Verbreitungsgebiet beträchtlichen Unterschieden in der Körpergröße. Die kleinsten Formen findet man im Norden und Osten. Nach Süden und Westen hin nehmen sie an Größe zu. King (1989) unterscheidet zwei Unterarten: Die kleinere Form mit gerader Grenzlinie zwischen braunem und weißen Fell und regelmäßiger Winterumfärbung (Mustela nivalis nivalis) und die größere Form mit unregelmäßiger Grenzlinie zwischen braunem und weißen Fell und ohne winterliche Umfärbung (Mustela nivalis vulgaris). In Deutschland ist M. n. vulgaris allgemein verbreitet, M. n. nivalis kommt nur in den Alpen vor.

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Zeit- und Raumnutzung

Mauswiesel unter der Schneedecke

Mauswiesel bevorzugen abwechslungsreiche Feld- und Wiesenlandschaften mit Lichtungen, Wegböschungen, Hecken und Feldrainen. Geschlossene Wälder werden gemieden. Sie können zu jeder Tages- und Nachtzeit aktiv sein. Größere Ausflüge werden bevorzugt am Tage unternommen. Als Verstecke und zur Fortbewegung nutzen Mauswiesel z.B. Baue von Nagetieren und Maulwürfen (King 1989). Während der Schneeperiode leben sie überwiegend unter der Schneedecke. Ebenso wie bei den anderen Arten besetzen die Rüden durchschnittlich größere Streifgebiete als die Fähen. King (1975) fand in einem englischen Laubwaldgebiet für Rüden Bereiche von 7-15 ha, für Fähen 1-4 ha. Lockie (1966) führte Untersuchungen durch in einer jungen, grasbewachsenen Fichtenplantage in Schottland, in der sehr viele Erdmäuse lebten. Hier hatten die Rüden 1-5, die Fähen weniger als 1 ha inne. Bei hoher Beutedichte sind demnach die Streifgebiete kleiner. Mauswiesel wechseln nacheinander zwischen verschiedenen Jagdgebieten.
Moors (1974 in King 1989) stellte fest, dass die Rüden in seinem Untersuchungsgebiet in England zwischen Frühjahr und Spätsommer ihr Streifgebiet verlassen und weiträumige Wanderungen unternehmen. Es dürfte sich dabei um eine vergleichbare Paarungsstrategie handeln wie beim Hermelin.

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Nahrung

Ein Vergleich von Untersuchungen in verschiedenen Regionen und Habitattypen zeigt, dass Kleinnager immer die wichtigste Nahrung für Mauswiesel darstellen. Hauptbeute sind Microtus-Arten wie Feld- und Erdmaus. Daneben können auch Schermäuse, Waldmäuse, Rötelmäuse, Spitzmäuse, junge Kaninchen, Vögel und Eidechsen verzehrt werden.

Größere Beutetiere dürften dabei den Rüden vorbehalten bleiben. Dank des kleineren Körperumfangs kann das Mauswiesel Microtus-Arten effektiver jagen als das Hermelin, da es ihnen in ihre Gänge folgen kann. Mauswiesel legen Nahrungsspeicher an und fressen mehrmals am Tag kleine Portionen.

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Fortpflanzung

Mauswiesel haben eine sehr lange Paarungszeit. In England sind die Rüden zwischen Februar bis mindestens August zeugungsfähig. Trächtige Weibchen können jederzeit zwischen März und August angetroffen werden (King 1989). Die Tragzeit dauert nur 35-37 Tage, die ersten Jungtiere werden im April geboren. Die Wurfgröße liegt in Mitteleuropa bei zwei bis sieben Jungen, im Durchschnitt bei fünf bis sechs. In Jahren, in denen große Zahlen von Wühlmäusen vorhanden sind, können Fähen im Juli oder August ein zweites Mal Junge bekommen.
Das Geburtsgewicht beträgt 1-3 g. Mit zweieinhalb Wochen beginnen die Jungen, feste Nahrung aufzunehmen, mit etwa fünf Wochen öffnen sie die Augen. Sowohl Rüden als auch Fähen sind mit drei bis vier Monaten geschlechtsreif.

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Buchtipps

King, C.M.; Powell, R.A.; Powell, C. (2006): The Natural History of Weasels and Stoats: Ecology, Behavior, and Management. Oxford University Press, U.S.A