Steinmarder (Martes foina Erxleben, 1777)

Steinmarder sind unter uns: Ihr bevorzugter Lebensraum sind neben der abwechslungsreichen Feldlandschaft vor allem Dörfer und Städte. Durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Menschen kommt es mitunter zu Interessenkonflikten. War es früher vor allem das Problem mit verhängnisvollen Einbrüchen in Hühnerställe sind heute kabelbeißende Automarder oder nächtlich polternden Dachmarder für manchen ein Ärgernis.

Körperbau und Verbreitung

Steinmarder-Fähe mit gegabeltem Kehlfleck

Steinmarder erreichen durchschnittlich eine Kopf-Rumpflänge von 46 cm bzw. 43 cm und ein Körpergewicht von etwa 1650 g bzw. 1300 g. Die Färbung ist graubraun, die Unterwolle schimmert hell durch. Typische Merkmale sind der weiße, meist gegabelte Kehlfleck und der fleischfarbene Nasenspiegel.

Der Steinmarder ist in Süd- und Mitteleuropa (außer den Britischen Inseln) sowie in weiten Teilen Südasiens verbreitet.

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Zeit- und Raumnutzung

Steinmarder auf einem Dach

Als typischer Kulturfolger hat sich der Steinmarder Städte und Dörfer als Lebensraum erschlossen, er ist aber auch in Wald- und Feldgebieten anzutreffen. Außerhalb des Siedlungsbereichs werden strukturreiche Habitate wie Knicks, Waldränder oder Mischwälder bevorzugt.

Steinmarder sind dämmerungs- und nachtaktiv. Nur während der Jungenaufzucht und der Ranz können sie auch am Tag außerhalb ihres Unterschlupfes angetroffen werden.

Bei seinen telemetrischen Untersuchungen in Schleswig-Holstein konnte Skirnisson (1986) verschiedene Typen von Tagesschlafplätzen finden. Genutzt wurden Verstecke unter Gebüsch oder Wurzeln, Fuchsbaue, Entwässerungsrohre, Reisighaufen und Brennholzstöße. Im Siedlungsraum können Scheunen und Dachböden von Wohnhäusern oder Garagen als Tagesverstecke dienen. Seit Ende der siebziger Jahre suchen Steinmarder häufig die Motorräume von Kraftfahrzeugen auf und richten dort Schäden an Kabeln, Schläuchen und ähnlichem an (Automarder-Phänomen).

Steinmarder haben im Vergleich zu anderen Martes-Arten kleine Streifgebiete. Sie verhalten sich territorial gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen, Rüden und Fähen können im selben Gebiet leben. Die Reviergrößen hängen vom Geschlecht des Tieres, von der Habitatqualität und von der Jahreszeit ab:

  • Rüden besetzen größere Territorien als Fähen.
  • Skirnisson (1986) fand heraus, dass in dem qualitativ höherwertigen, dörflichen Lebensraum telemetrierte Steinmarder mit 30 bis 110 ha durchschnittlich wesentlich kleinere Reviere haben als ihre Artgenossen in Wald/Feld-Regionen (200 bis 310 ha).
  • Im Jahresverlauf zeigt sich, dass insbesondere die Rüden im Frühjahr ihr Territorium ausdehnen.

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Nahrung

Steinmarder am Mirabellenbaum

Eine völlige Unspezialisiertheit bei der Nahrungswahl befähigt den Steinmarder, ein je nach Habitattyp und Jahreszeit völlig unterschiedliches Angebot zu nutzen. Einen wichtigen Bestandteil der Nahrung bilden Früchte. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen sowie verschiedene Beerenarten werden vom Sommer bis weit in den Winter hinein verzehrt.

Der Hauptteil an tierischer Nahrung wird von Kleinsäugern gestellt. Vertreten sind die verschiedenen Wühlmausarten, Wald- und Gelbhalsmaus, Wanderratte, Hausmaus und gelegentlich auch Spitzmäuse.

Neben den Kleinsäugern bilden Vögel einen großen Teil des Beutespektrums. Verschiedene Singvogelarten wie etwa Drossel, Amsel und Haussperling aber auch Tauben und vereinzelt Haushühner konnten nachgewiesen werden. Eier werden von Mardern gern angenommen, ihr effektiver Anteil ist aber schwer zu bestimmen. Weitere Nahrungsbestandteile sind Regenwürmer und Insekten, Aas, menschliche Hausabfälle sowie für Haustiere oder Igel bestimmtes Tierfutter.

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Fortpflanzung

Steinmarder-Paarung
Steinmarder-Paarung

Die Ranz (Paarungszeit) erfolgt zwischen Ende Juni und Anfang August. Nach einer verlängerten Tragzeit, in der die Blastocysten frei im Uterus ruhen, werden im März, seltener im April, zwei bis vier Junge geboren.

Ein Tag alte Steinmarder-Jungtiere
Jungtiere, ein Tag alt
Vier Wochen altes Jungtier
Jungtier, vier Wochen
Sechs Wochen alte Jungtiere
Jungtiere, sechs Wochen
Acht Wochen altes Jungtier
Jungtier, acht Wochen

Die Neugeborenen wiegen etwa 30 g und haben ein mausgraues kurzes Fell. An der Unterseite schimmert die Haut rosa durch. Mit etwa fünf Wochen öffnen die Jungen die Augen, in der siebten Woche fressen sie die erste feste Nahrung, in der neunten Woche verlassen sie erstmals das Nest.

Skirnisson (1986) gelang es, eine Fähe mit drei Jungtieren in einem Dorfhabitat von Juni bis August zu telemetrieren. in den ersten Tagen nach der Geburt hielt sich die Fähe fast ausschließlich im Nest auf.

Mit dem steigenden Nahrungsbedarf der Jungen nahm auch die Abwesenheit der Fähe kontinuierlich zu. Ab der sechsten Woche trug sie Futter ins Nest ein. In den ersten Wochen nach Verlassen des Wurfnestes führte die Fähe ihre Jungen stets einzeln herum, später auch zu zweit oder dritt. Bis zur 21. Lebenswoche wählte die Mutter die gemeinsamen Verstecke aus und führte die Jungen hin. Die Jungtiere ernährten sich anfangs von dem Futter, das ihnen die Fähe brachte. Etwa ab der 16. Lebenswoche begannen sie, selbst Nahrung zu suchen. Ab der 19. Woche verringerte sich die Menge der von der Fähe zugetragenen Nahrung merklich. In der zweiten Augusthälfte (23. Lebenswoche) verließen die Jungtiere das Revier der Mutter. Es ist aber auch möglich, daß sie erst später im Herbst oder sogar erst im nächsten Frühjahr abwandern.

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Buchtipps

Ludwig, B. (1999): Von Mardern und Menschen. Das Buch der Steinmarder. Tecklenborg Verlag, Steinfurt

Schmidt, F. (1943): Naturgeschichte des Baum- und des Steinmarders. Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig.

Skirnisson, K. (1986): Untersuchungen zum Raum-Zeit-System freilebender Steinmarder (Martes foina ERXLEBEN, 1777). (Beiträge zur Wildbiologie (Heft 6). M+K Hansa Verlag, Hamburg.

Stubbe, M. (1993): Martes foina (Erxleben, 1777) Haus-, Steinmarder. In: Stubbe, M. & Krapp, F.: Handbuch der Säugetiere Europas. Aula-Verlag, Wiesbaden: 427-479.