Vielfraß, Järv, Bärenmarder

Aasfresser wie Hyänen, Geier oder Rabenvögel haben ein schlechtes Image, so auch die "Hyäne des Nordens", der Vielfraß. Er gilt als als böse, unrein oder unheimlich, als Unglücksbringer, Dämon oder Ähnliches.

Körperbau und Verbreitung

Der Vielfraß ist ideal an die Fortbewegung im Schnee angepasst

Die Heimat des Viefraßes ist der hohe Norden, von Skandinavien über Nordasien bis Nordamerika. Er lebt vorwiegend in Wäldern, seltener in Tundren und er ist sehr gut angepasst an ein Leben in Kälte und Schnee.

Der Vielfraß hat einen muskulösen, etwas plump wirkenden Körper und sehr große Pfoten, die das Einsinken im Schnee verhindern. Er wird auf Grund seiner äußeren Erscheinung auch Bärenmarder genannt. Das Fell ist dunkelbraun, bis auf die hellere Gesichtsmaske, Kehlflecken und die Seitenstreifen, die in Färbung und Breite variieren.

Der Vielfraß ist die größte unter den landlebenden Marderarten. Rüden erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 70-84 cm und ein Gewicht von 11-25 kg, Fähen sind etwas kleiner (70-75 cm, 8-11 kg).

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Zeit- und Raumnutzung

Vielfraß-Fähe

Auf der Suche nach Nahrung durchstreift der Vielfraß die nordischen Wälder, Strecken bis zu 70 km ohne Ruhepause. Gelegentlich erklettert er auch Bäume, zum Beispiel um sich vor Feinden in Sicherheit zu bringen, weite Sprünge vermeidet er jedoch.

Er ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Streifgebiete können bis zu 2000 qkm groß sein. Männchen nutzen durchschnittlich größere Gebiete, zum Beispiel in Alaska durchschnittlich 500-700 qkm, Weibchen dagegen nur etwa 100 qkm.

Abgesehen von der Jungenaufzucht und der Paarung leben Vielfraße einzelgängerisch.

Ebenso wie Baummarder markieren Vielfraße mit Sekreten aus einer Abdominaldrüse, aber auch mit Urin und Kot.

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Nahrung

Aas ist für den Vielfraß ein wichtiger Teil seiner Nahrung. Mit seinen kräftigen Reißzähnen zerkleinert er auch größere Knochen und gefrorenes Fleisch. Ansonsten bietet sich ihm je nach Jahreszeit ein unterschiedliches Angebot. Nach der Schneeschmelze zum Beispiel Eier von Bodenbrütern, etwas später  Wespenlarven oder gelegentlich Ren- oder Elchkälber, die in ihren Verstecken zurückgelassen wurden. Auch Lemminge oder andere Nagetiere gehören zum Beutespektrum. Zur Reife der Beeren machen sie den Großteil der Nahrung aus.

Der Jagderfolg des Vielfraßes ist abhängig von der Jahreszeit. Im Sommer ist er gering, da der Vielfraß sich zu laut und zu langsam bewegt. Im Winter ist er dagegen klar im Vorteil, da er sich im Schnee mit seinen großen, mit Spannhäuten zwischen den Zehen versehenen und an der Unterseite behaarten Füßen besser fortbewegen kann als potentielle Beutetiere wie Beispiel Schneehasen, Rehe, Schneehühner, Füchse oder sogar Rentiere und Elche.

Steht genug Aas zur Verfügung, macht der Vielfraß sich jedoch nicht die Mühe, eigene Beute zu jagen.

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Fortpflanzung

Die Paarungszeit des Vielfraßes erstreckt sich von April bis August. Nach einer verlängerten Tragzeit von sieben bis zehn Monaten werden im Februar oder März ein bis fünf, meist zwei oder drei Jungtiere geboren. Das Nest wird in einem Versteck angelegt, zum Beispiel in einer Schneehöhle, unter umgestürzten Bäumen, in Felsspalten oder Ähnlichem.

Mit etwa drei Monaten folgen die Jungtiere der Mutter bei der Nahungssuche. Sie bleiben mindestens bis zum Spätherbst im Familienverband.

Geschlechtsreif werden Vielfraße frühestens mit eineinhalb bis zwei Jahren.

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Buchtipps

Chadwick, D. H. (2012): The Wolverine Way. Patagonia Ediciones.

Krott, P. (1960): Der Vielfrass oder Järv. Ziemsen, Wittenberg.

Krott, P. (1960): Tupu Tupu. Das seltenste Raubwild Nordeuropas, der Vielfraß. Erlebnisse und Beobachtungen.. Parey, Hamburg.