Ursachen

Nach der Entdeckung des Automarder-Phänomens wurden allerlei Erklärungen für das Verhalten diskutiert. Waren es Mangelerscheinungen, die den absonderlichen Appetit auf Gummi erklären könnten? Trat das abnorme Verhalten in einem Frühstadium der Tollwut auf? Lange Zeit hielt sich die Vermutung, dass es Steinmarder nur auf warme Motorräume abgesehen haben. Dem Geruch von heißem Gummi oder den Ausdünstungen der Kunststoffe wurde eine anziehende Wirkung unterstellt, als so eine Art "Marder-Rauschmittel".

Längjährige Verhaltensbeobachtungen am Arbeitskreis Wildbiologie führten schließlich zur Klärung möglicher Ursachen.

Nutzung von Motorräumen

Autos am Straßenrand

Die starke Zunahme der im Freien parkenden Fahrzeuge machte sie für Steinmarder als vielerorts vorhandenen Unterschlupf attraktiv. Dabei hat der überwiegende Teil der Marderbesuche keine Schäden zur Folge.

Die Motorräume werden auf unterschiedliche Weise genutzt: 

- Sie dienen als Unterschlupf auf den sonst deckungsarmen Straßen.
- Die Marder können sich darin verbergen oder kurz ausruhen.
- Oft wird Nahrung im Motorraum versteckt, zum Beispiel Brötchen oder Eier.
- Jungtiere nutzen Motorräume als Spielplatz.
- Manchmal nutzen Steinmarder Motorräume sogar als Schlafplatz.

Das Beißverhalten

Steinmarder imMotorraum beißt in ein Werkteil

Für das Zerbeißen von Dämmmaterialien, Kabeln, Kühlschläuchen und Ähnlichem gibt es drei mögliche Ursachen:

- Das Erkundungsverhalten: So wie wir Menschen uns interessant erscheinende Gegenstände betrachten, in die Hand nehmen und betasten, so schnuppert ein Steinmarder zunächst daran und bebeißt dann den Gegenstand, er prüft ihn mit den Zähnen.
- Das Spielverhalten: Das Spielen mit Objekten ist bei Steinmardern besonders ausgeprägt. Es ähnelt dem Erkundungsverhalten, wird aber "überschwenglicher" und mit mehr Ausdauer ausgeführt. Spielverhalten ist besonders häufig bei Jungtieren zu beobachten.
- Das aggressive Beißen: Dieses Verhalten dürfte die Hauptursache für gravierende Schäden im Motorraum darstellten. Es tritt vermutlich vor allem dann auf, wenn ein erwachsenes Männchen im Motorraum auf die Duftspur eines anderen Steinmardermännchens trifft. Dies ist häufig bei Parkplatzwechseln zwischen verschiedenen Marderrevieren der Fall oder auch an Reviergrenzen denkbar. Durch den Geruch des vermeintlichen Rivalen provoziert, lenkt der Marder sein aggressives Verhalten auf Zündkabel und Kühlschläuche um. Dies erklärt, warum die meisten Marderschäden im Frühjahr auftreten: Zu dieser Zeit sind die Männchen besonders aktiv und aggressiv, da sie ihre Reviere für die bevorstehende Paarungszeit ausdehnen wollen.